Der junge Norden 18 – Arztroman

Der junge Norden 18 – Arztroman

Legimi

Alex steht am Münchner Hauptbahnhof und wartet auf den Euromed aus Madrid, mit dem Julias Mutter nach München kommen soll. Sie will die schwangere Julia besuchen, um sicherzustellen, dass es ihrer Tochter und dem noch ungeborenen Baby gut geht. Während Alex ungeduldig auf die Anzeigetafel der Züge schaut, erinnert er sich an Julias Ankunft vor noch nicht einmal einem Jahr und lässt vor seinem geistigen Auge Revue passieren, was alles in den so ereignisreichen letzten Monaten passiert ist. Sein Schwelgen in Erinnerungen wird jedoch jäh unterbrochen, als am gegenüberliegenden Bahnsteig eine Frau bewusstlos neben ihrem Trolley und ihrer Reisetasche zusammenbricht. Alex eilt natürlich sofort herzu, leistet Erste Hilfe und verständigt den Rettungswagen. Einer der schwierigsten Fälle im bisherigen Leben des angehenden Mediziners hat seinen Anfang genommen. »Na, dann mal los!«, murmelte Alex vor sich hin, während er, seinen Motorradhelm in der einen und seine Lederjacke in der anderen Hand, vom Personalparkplatz der Behnisch-Klinik zur Eingangspforte lief. Er war nach Beendigung seiner Sanitätsschicht von der Rettungszentrale aus sofort in Richtung Behnisch-Klinik aufgebrochen, um hier seinen nächsten Dienst anzutreten. Trotzdem war die Zeit knapp. Bis zum Beginn seiner Praktikumsschicht blieb ihm gerade noch eine gute Viertelstunde, um seine Sachen in seinem Spind zu verstauen und sich einen Becher Kaffee aus der Cafeteria zu holen. Er winkte dem Krankenpfleger Chris und wenige Minuten später der jungen Lernschwester Emma zu, die, ebenfalls winkend, in entgegengesetzter Richtung an ihm vorbeieilten, um in ihren wohlverdienten Feierabend zu starten. Alex rieb sich die brennenden Augen. Er war müde. Fast beneidete er Chris und Emma ein wenig, wenn er es sich auch nicht eingestehen wollte. Führte er nicht genau das Leben, das er sich wünschte? Wie konnte er sich also derart ausgelaugt fühlen? Wahrscheinlich lag es daran, dass er während der Semesterferien vergessen hatte, wie es sich anfühlte, wenn der Alltag des Studiums mit seinen zahlreichen Vorlesungen und Seminaren mit dem Sanitätsdienst und dem Praktikum in Einklang gebracht werden musste. Ob sein Onkel Daniel doch Recht hatte mit seiner vehementen Weigerung, ihm nach dem Ende seiner Praktikumszeit zusätzlich eine Ausbildung zum Krankenpfleger zuzugestehen? In der Tat würde es, das Lernen für das Vorphysikum eingerechnet, ziemlich eng werden und … Alex blieb abrupt stehen, als er beim Betreten der Eingangshalle der Behnisch-Klinik das ein wenig schräg klingende Klimpern einer Gitarre vernahm. Er runzelte die Stirn. Das konnte doch wohl nicht sein! Was hatten Gitarrenklänge in der Behnisch-Klinik zu suchen? War er mittlerweile schon so müde, dass er halluzinierte? Verwirrt sah er sich um. Es dauerte nicht lange, bis er eine junge Frau entdeckte, die auf einem der Stühle an der Fensterfront vor der Cafeteria saß und in der Tat an einer Gitarre herumzupfte.

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