Commissario Carabello

Commissario Carabello

Legimi

Der berühmte römische Rechtsanwalt Bruno Tedesci lehnte in der stillsten aller römischen Nächte an der steinernen Brüstung der Ponte Sant´ Angelo und blickte hinab in den Tiber. Nichts war zu hören, gar nichts, nicht einmal das Fließen des Wassers tief unter ihm. Nur eine Brückenlaterne surrte leise im heranziehenden Nebel. Schon seit einer Stunde lehnte er dort und dachte an seine Frau Beatrice. Sie ging ihm auf die Nerven, sie stand ihm im Weg, er wollte sie loswerden. Und er wusste auch schon wie, denn er kannte die gesamte römische Unterwelt. Rizzardi würde es für ihn erledigen. Hunderttausend Anzahlung, hunderttausend nach der Tat. Rizzardi, der arbeitslose Kampftaucher würde ein Boot, mit Beatrice an Bord, auf einem stillen See zum Kentern bringen. Er aber, der Rechtsanwalt Bruno Tedesci und Ehegatte Beatrices, wäre derweil in Südamerika und niemand würde ihn verdächtigen können, so dachte er bis ans Ende der tiefen, stillen Nacht und blickte hinunter in den Tiber. Das Wasser kräuselte sich. Er war allein. Kein einziger Passant war auf der Fußgängerbrücke, nur er, Bruno Tedesci, der berühmte römische Anwalt, lehnte an der steinernen Brüstung, tief nach vorn gebeugt. Manchmal streckte er seine Arme zum Wasser hinunter, als wollte er es mit seinen Fingern berühren. Er dachte an seine Geliebte, an Donatella, die schönste aller römischen Frauen, das Mädchen aus der Höhlenstadt Matera im Süden Italiens, das stolze Höhlenmädchen, die Primadonna, die er gegen seine alternde Beatrice eintauschen wollte. In die Stille hinein dachte er an diese beiden Frauen. An die eine, von der er gerade gekommen war, an die andere, zu der er jetzt gehen sollte. Er setzte sich auf die Brüstung und ließ die Beine hinunterhängen, als wollte er ins befreiende Wasser springen, dann drehte er sich im Sitzen auf die eine Seite zur Engelsburg hin. Dort, in der steinernen Festung könnte seine Geliebte, die schöne Donatella, wohnen, dann drehte er sich zur anderen Seite und blickte direkt auf den Piccolo Palazzo, in dem er und seine Frau wohnten. Er fühlte sich längst nicht mehr zuhause dort. Er stellte sich wieder auf den Boden, blickte geradeaus den Tiber entlang flussabwärts und streckte seine beiden Arme weit zur Seite. Er nahm Maß zu den beiden Gebäuden. Er stand genau in der Mitte. Dann lehnte er sich weit vor auf die Brüstung und schaute ins Wasser, wie es sich kräuselte. Plötzlich war es ihm, als surrte die Laterne ein wenig lauter. Einen ganz kleinen Hauch nur.

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